Guten Tag. Ich heiße Eudora Kuchenbruch und bin fernsehsüchtig. Das kann ich echt ganz offen sagen. Jetzt. Nach so vielen Jahren.
Heute wollte ich mir mal einen fernsehfreien Frühabend verschaffen und kam da auf eine List:
In unserer Wohnung gibt es eine völlig zugemüllte Kammer, in der seit Wochen kein Durchkommen mehr ist. Damit ich mich nach der Arbeit nicht sofort vor die Glotze haue und alle nur erdenklichen gehirnerweichenden amerikanischen Serien und, in den Werbepausen, blödsinnigen Reality-Renovier-Shows antue, solange, bis um viertel nach acht das Abendprogramm anfängt, habe ich den Antennenstecker in dieses Chaos reingeworfen, bevor ich morgens das Haus verließ. Nach dem Abendessen, so habe ich mir ausgemalt, räume ich dahinten auf, finde den Stecker und kann dann den arte-Abendfilm mit einem guten Glas Wein und einen Stück lang gelagertem Käse so richtig zelebrieren. So ganz stilvoll eben.
Gedacht. Getan.
Ich habe aufgeräumt, habe eine noch volle Packung Lavazza-Kaffee gefunden (welche FREUDE!) und kam endlich dazu, meine Fahrradbeleuchtung aus der Werkzeugkiste (in der sich eigentlich nur Schrauben, Schuhputzzeug, eine Zange zum Anbringen von Druckknöpfen und eine Malerrolle befinden – den Hammer bewahre ich grundsätzlich irgendwo auf, wo man auch an ihn ran kommt – der Name „Werkzeugkiste“ also eher übertrieben anmutet) raus zu holen und damit, also mit der mobilen Fahrradlampe, alle Ecken und jeden erdenklichen Winkel der Kammer zu durchleuchten, um den vermaledeiten Stecker zu finden. Tja, also, der blieb verschwunden. Untergegangen im Nichts der zusammengeknüllten Jutetaschen. Oder vielleicht doch in einer der vielen Tüten mit dem Leergut des letzten Jahres. Oder im Gehäuse des alten Computers, der jetzt dahinten neben dem anderen alten Computer steht, versunken im gemeinsamen Traum von einem neuen Netzteil, um vielleicht als „Testrechner“ des Herrn Kuchenbruchs wieder aufzuerstehen. Welch berührende Eintracht!
Oliven habe ich auch noch gefunden. Ein ganzes und zum Glück noch unangebrochenes Glas (anders wäre es ja auch wirklich ekelig!). Das Abendessen für morgen ist gesichert. Wieder mit derselben uralten DVD, die ich auswendig kenne und die mir nicht jenen stumpfsinnigen Genuss bereitet, wie das Vorabendprogramm auf RTL und Vox. Wie soll ich das nur aushalten. Jetzt werde ich womöglich anfangen richtig zu denken, also so richtig mir Gedanken zu machen, richtig echte Gedanken so im Kopf, so über richtige Dinge. Wo das nur wieder hinführt.